Brief an mich selbst

Brief an mich.
So, jetzt hat sie es mir gerade ins Gesicht gesagt, das ich ihr nach allem noch nicht ausreiche. Das ein Jahr voller entnervt sein, voller Qualen unter dem Verlust jeder Privatsphäre ihr nicht genug sei. Das setzt dem ganzen die Krone auf, eines der schlechtesten Jahre meines Lebens, eigentlich das schlechteste, und es war nicht genug. Noch ist nix definitives gesagt, aber es ist klar. Es mangle ihr an Nähe, an Vertrautheit, und wir sind zu unterschiedlich. Ach, mach Sachen, ich habe ein leben, in dem ich versuche, das zu tun was ich will, sie versucht es ihrem Vater heimzuzahlen, das er sie mal als potentielle Sekretärin bezeichnet hat.
Und warum versuche ich denn nun, das ganze am laufen zu halten? Ehrlich gesagt fällt mir genau ein Grund ein: Angst vor der Einsamkeit. Angst davor, keine mehr ab zubekommen. Nur das, sonst nix. Denn sonderlich anregend finde ich die Gespräche mit ihr nun wirklich nicht (Habe ich ehrlich gesagt noch nie), und das Gefühl, mich auf sie verlassen zu können, da hat sie ein aufs andere Mal bewiesen, das dem nicht so ist. Die Gemeinsamen Interessen sind, wo sie durchaus recht hat, nicht vorhanden, ich genieße Bücher und schwierige Filme und die Beobachtung der Welt, Bilder und Fotographie, ruhige Treffen mit Freunden, mich in mich selbst zurückzuziehen und nichts zu tun. Herumsitzen, Musik hören, im Netz surfen und das reflektieren, was ich wahrgenommen habe. Was sie genießt ist es, ihrem Idealbild von sich selbst nachzurennen. Ihr angeblicher Sport und Bewegungsdrang – wieso macht sie es dann nicht? Ihre Begeisterung für So Vieles – Pah. Ein Stativ und eine Gitarre zu kaufen ist noch lange keine Begeisterung, sondern Konsum. Ihr Freundeskreis existiert nicht, und statt mit mir zu reden, weil sie mit mir reden will, redet sie mit mir, weil sie außer mir niemanden hat.
Und die Frage, wo das ganze hinführen kann, habe ich von Anfang an immer mit „wer kann das wissen, lass uns versuchen, das beste draus zu machen und uns Mühe zu geben!“ beantwortet. Sie ist der Ãœberzeugung, das ich irgendwann fremdgehen würde und das wir daran zugrunde gehen würden, das es halt nicht funktionieren kann. Mit diversen Sprüchen garniert, die Sie mir im Laufe der Zeit immer schön regelmäßig vor den Kopf geworfen hat hat sie das auch sichergestellt. Von der Fehlenden Begrüßung – Umarmung nach 2 Wochen nicht sehen über über die wiederholten Zeichen, das ihr Sex mit mir absolut gleichgültig ist und ihre Mängel in diesem Gebiet bis zu der Unfähigkeit, mir auch nur das kleinste bisschen Privatsphäre zu gönnen, das alles verknüpft sich dazu, das von den Zwei beteiligten Personen eine die ganze Zeit gegen das Zusammensein gearbeitet hat und sich der andere einen möglichen Lebensweg verbaut hat, um diese Leiche am Leben zu erhalten.
Die Frage, warum ich versuchen werde, das morgen telephonisch zu retten, und wieso ich geplant hatte am Wochenende nach Dresden zu fahren, was ich auch tun werde, und sei es nur, um ihr ins Gesicht zu sehen, wenn es vorbei ist.
Und ich bin es mittlerweile leid, auf ihre Wünsche einzugehen, nachdem sie ein Jahr lang auf meinen Wünschen herum getrampelt ist. Nach sie mich in die Überzeugung getrieben hat, das ich fast pervers sei, das meine Art zu Leben falsch ist und nicht genug, während sie mich doch tatsächlich in dieser Zeit fast als Haustier gesehen hat, als Versorger mit Neuigkeiten, als Trottel vom Dienst. Meine Fähigkeiten zu kochen, zuzuhören, meine Kenntnisse im Bereich Computer, Musik und Literatur wurden verwendet, meine Faszination ertragen, und was ihr als wichtig erschien wurde mit Erbarmungslosem Genörgel durchgesetzt. Das klingt jetzt so als wollte ich keinerlei Kompromisse eingehen, jedoch war meine Anpassung an ihren Lebensstil so komplett, das ich von meinem Tagesrhythmus über meine Essgewohnheiten über mein Selbstbildnis alles geändert habe oder versucht habe es zu ändern, was nicht in ihr Bild des perfekten Partners für ihr Idealbild passte. I Nachhinein schon fast verständlich, war es ja so, das während ich hinteressen hatte, sie nur „Issues“ in die Beziehung einbrachte. Und was man an sich selbst nicht wahrhaben will, verteilt man auf die anderen als Gerechten Mist. Ihre Ideen für den Lebenswandel sind genauso un-ausgereift wie meine, doch ist es ihr Wunsch, Erfahrung zu sammeln um Toll zu wirken, während ich nur einen Weg finden will, den ich nicht bereue. Und ihre Vorhaben, Spanisch zu lernen , Kontakte zu knüpfen und eine „Attraktive, Interessante Superfrau“ zu werden, wie sie das auf ihrer Agenda hat, sind von Anfang an zum scheitern verurteilt.
Und ich werde noch einmal versuchen, die Beziehung zu retten, weil ich zu feig bin, mich dem Schattendasein der Singles, jung, dynamisch, vielseitig und einsam, erneut auszusetzen. Und diese Gefühl, die Angst vor der postmodernen Einsamkeit, wird letztlich für lange Zeit verhindern, das ich eine Beziehung finden oder gar führen kann. Diese Bewusstsein, diese Angst ist es, was mich dazu treibt, ihr sinnloses Gelaber, ihre Abgeschmacktheit zu ertragen. Und mir einzureden, das ich etwas für sie empfinde würde, was aber definitiv seit langem nicht mehr der Fall ist, wenn es denn überhaupt jemals zutraf.