Das erste Mal in der Erwachsenen-Videothek

Das Erwachsen werden bzw Erwachsen sein nicht gerade der Weisheit letzter Schluß ist, findet man ja immer wieder heraus.
Ich spreche jetzt weder von älteren Damen, die sich als Lolita aufstylen oder von den wenigen Glücklichen, die einen richtigen Peter-Pan-Komplex haben, sondern vom Rest der Menschheit.
Es ist deprimierend, wenn man wegen der kindlichen Verhaltensweisen, wegen der man vor (relativ) kurzer Zeit noch geschätzt wurde, auf einmal dumm angekuckt wird.

Beispiel Eins:
Das Privileg der sehr Alten und sehr Jungen:
Genau das zu sagen, was man denkt. Seufz, das waren schöne Zeiten……
Als man den Leuten in unmißverständlichen Worten sagen konnte, das ihre Tätigkeit nicht zufriedenstellend ist, ihre Didaktik verbesserungswürdig, und ihr Auftreten unter aller Sau…. Das, was ich mir momentan dauernd verkneife, und weswegen meine Zunge schon merklich kürzer ist – vom vielen drauf beissen…..

Beispiel Zwei:
Die Vorfreude auf das Erwachsensein
Wie ich gerade Achtzehn geworden war, bin ich voller Vorfreude in die Erwachsenen-Videothek gestürmt, um mich endlich Cinemathisch ausserhalb des Mickey-Maus-Krams sättigen zu können. Ich dachte an Werner Herzog. Schlöndorff, Fellini, Bunuel. Was fand ich?
Fickfilme, Blut-und-Mord-Filme, und Mischformen der Beiden.
Nun gut, das ist jetzt vielleicht aus der Distanz gesehen keine soooooo große Ãœberaschung in einer Kemptner Videothek, und den „Andalusischen Hund“ dort zu finden oder zu erwarten mag übertrieben sein, aber darauf hatte ich mich nun Jahre gefreut? Ein klassischer Fall von „Der Appetit war da, aber das Mahl war eklig“.
So eine Art „McDonalds für die Augen“. (Und ich mache Keinen Unterschied Zwischen McDonalds, BurgerKing, KFC, und wie der ganze Kram sonst noch heißt…) Genau einmal im Jahr habe ich Lust auf einen Burger. Ich weiß, das er mir nicht schmecken wird, und das mir höchstwahrscheinlich davon wieder schlecht wird. Aber die Werbungen an allen Straßenecken, das setzt mir dann schon zu. Und diese Balance aus Dummheit und Erfahrung zieht in ungefähr dem Zeitraum eines Jahres dann immer Richtung „Hmmm, das könnte ja lecker sein“. Und jedesmal, wenn man die Zähne in einene schlabbrigen McEkel versenkt, ist es wieder ein bisschen so wie damals in der Videothek….