Readers Edition

Readers Edition: Wer braucht einen neuen Patriotismus?

Ich würde an dieser Stelle gerne mal was zu dem „Feiern“ und dem Stolz sagen: Wenn das Land weiter so feiert, dann ist diese Feier bald Endgültig vorbei. Der Reigen der Nichtigkeiten verschleiert die Unfähigkeit der Politiker (Merkel’s Globus!!!) , und beim Feiern wäre langsam mal an der Zeit, einen verkaterten Morgen einzuleiten, wo man eine langen, kalten Blick in den Spiegel wirft. Die Sachen, auf die wir (als Deutsche) stolz sind, werden von Jahr zu Jahr weniger.

Das Erste Ernstzunehmende Sozialsystem der Welt?
Zuschanden geritten von der Bürokratie.

Das Land der Dichter und Denker?
Verdummt bis zum Punkt, wo niemand mehr lacht über die Unfähigkeit der Jugend, zu sprechen, geschweige denn zu schreiben oder gar zu denken.

Daß es nur so wenige Übergriffe während der WM gab?
Vielleicht lag das daran, daß es No-Go-areas gab. Hätte man eine Riege Fans mit der „falschen“ Hautfarbe in Cottbus einquartiert, wären es meiner Vermutung nach vermutlich ein paar Ãœbergriffe mehr gewesen.

Die Wiedervereinigung?
Haben wir größtenteils versaut.

Das Wirtschaftswunder der Zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts?
Alles, was da aufgebaut wurde (Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Gewerkschaften, Mindestlöhne) verschwindet langsam aber sicher wieder und hinterläßt im Herzen eine große Leere

Bevor wir über Stolz reden, sollten wir erst mal etwas finden, auf das wir stolz sein können, das es entweder noch gibt, oder das unsere Generation (plusminus 2 Generationen, man will ja nicht kleinlich sein) auf die Beine gestellt hat – und ich fürchte, außer Love-parade, der Amerikanisierung und dem Einzug des WWW in den Alltag ist da nicht viel zu finden. Die Ansicht, das sowas nur eine Entspannung und Pause vom Geschehen der Welt sei, teile ich definitiv nicht. Zu viele Deutsche wachen nie auf – ob das jetzt die sind, die auch vor und nach der WM Flaggen schwenken, oder ob die während der WM besonders fleissig geschwenkt haben, kann ich nicht sagen…